Methodistischer Weltrat tagt in El Salvador
Delegierte methodistischer Kirchen aus verschiedenen Teilen der Welt kommen vom 13. bis 17. August 2026 in San Salvador zusammen, der Hauptstadt El Salvadors an der Pazifikküste Mittelamerikas. Bei dem Treffen des Weltrats methodistischer Kirchen (World Methodist Council, WMC) beraten sie über Gerechtigkeit, Frieden und die Zukunft ihrer weltweiten Zusammenarbeit. Aus Deutschland nehmen Bischof Werner Philipp, Bischöfin i. R. Rosemarie Wenner und Michael Löffler teil.
Gerechtigkeit, Frieden und Freude
Das Leitwort der Tagung stammt aus dem Römerbrief: »Das Reich Gottes ist Gerechtigkeit, Frieden und Freude im Heiligen Geist« (Kapitel 14, Vers 17). Das Programm greift diese drei Begriffe auf. Diskutiert werden Klima- und Wirtschaftsgerechtigkeit, die Folgen des Klimawandels und die Situation von Frauen. Weitere Beiträge befassen sich mit Friedensarbeit, Versöhnung, seelischem Wohlbefinden sowie der Bedeutung von Spiritualität und Gottesdienst.
Eröffnet wird das Treffen mit einem Abendmahlsgottesdienst. Die Präsidentin des Weltrats, die US-amerikanische Bischöfin Debra Wallace-Padgett, hält die Predigt. Im Verlauf der Tagung wird auch die Arbeit von Bischöfin i. R. Rosemarie Wenner gewürdigt. Seit 2017 pflegt sie als »Genfer Sekretärin« im Auftrag des Weltrats die Kontakte zum Ökumenischen Rat der Kirchen und zu anderen kirchlichen Weltbünden.
Die Delegierten beraten außerdem über die künftige Arbeit des Weltrats und entscheiden über die Aufnahme neuer Mitgliedskirchen. In den Blick kommen auch die nächsten internationalen Treffen, die Weltkonferenz 2029 und das Jubiläumsjahr 2031. Dann ist es 150 Jahre her, dass in London die erste weltweite methodistische Konferenz stattfand.
Erinnerung an Óscar Romero
El Salvador ist mehr als nur Tagungsort. Beiträge aus dem Gastgeberland, der Karibik und anderen Teilen Lateinamerikas rücken regionale Erfahrungen in den Mittelpunkt. Kulturelle Darbietungen und Begegnungen geben den Gästen Einblicke in das Land und den Methodismus der Region.
Ein Besuch führt zum früheren Wohnhaus und zur Grabstätte Óscar Romeros. Der Erzbischof von San Salvador leitete von 1977 bis zu seiner Ermordung 1980 das katholische Erzbistum. Er wurde während einer Messe erschossen. Sein Einsatz für arme und entrechtete Menschen sowie sein öffentliches Eintreten gegen staatliche Gewalt machten den 2018 heiliggesprochenen Kirchenmann weltweit bekannt.
Am Freitagabend verleiht der Weltrat seinen Friedenspreis an Humberto Martin Shikiya aus Argentinien. Der Wirtschaftswissenschaftler und Methodist wird für seinen langjährigen Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung ausgezeichnet. Seit 2023 begleitet er als Sondergesandter des Ökumenischen Rates der Kirchen den Friedensprozess in Kolumbien.
Am Sonntag besuchen die Delegierten Gemeinden in und um San Salvador. Am Abend berichten Kirchen aus Großbritannien, dem südlichen Afrika und Hongkong, wie sie mit tiefen gesellschaftlichen und politischen Gegensätzen umgehen. Unter dem Motto »Einheit in Vielfalt« rückt dabei eine zentrale Frage der Tagung in den Mittelpunkt: Was verbindet eine weltweite Kirchengemeinschaft, deren Mitglieder unter so unterschiedlichen Bedingungen leben?
Weiterführende Links
Der Autor
Michael Löffler ist Theologischer Leiter der EmK-Kirchenkanzlei mit Sitz in Frankfurt am Main und Pressesprecher für die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de
Zur Information
Weltrat methodistischer Kirchen / World Methodist Council (WMC)
Der Weltrat methodistischer Kirchen ist ein internationales Netzwerk von 80 Kirchen in 138 Ländern. Sie vertreten zusammen mehr als 80 Millionen Christinnen und Christen. Mit der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) ist auch ihr deutscher Teil im Weltrat vertreten. Dieser trifft keine verbindlichen Entscheidungen für seine Mitgliedskirchen. Er bietet ihnen jedoch ein gemeinsames Forum für internationale Zusammenarbeit, öffentliche Stellungnahmen und den Austausch über kirchliche und gesellschaftliche Fragen.