Die leise Stimme der Wahrheit
Bewaffnete Konflikte, Krankheitsausbrüche und gezielt verbreitete Falschmeldungen machen es in vielen Regionen Afrikas schwer, Menschen mit zutreffenden und aktuellen Nachrichten zu erreichen.
Vor diesem Hintergrund entwickelten die Africa University und United Methodist Communications, die weltweite Kommunikationseinrichtung der EmK, ein gemeinsames Bildungsangebot. Daran nahmen 37 Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit aus 17 Ländern und allen 14 afrikanischen Bischofsgebieten der EmK teil.
Gut vorbereitet für Krisenzeiten
Auf acht Wochen Onlineunterricht folgten zwei gemeinsame Wochen an der Africa University in Old Mutare im Osten Simbabwes. Dabei ging es um verständliche Berichterstattung, den Einsatz von Bildern und Filmen, den Umgang mit Falschmeldungen und die verantwortliche Nutzung künstlicher Intelligenz. Weitere Themen waren die Kommunikation in Krisenzeiten und ein glaubwürdiger öffentlicher Auftritt der Kirche.
23 Teilnehmende schlossen den ersten Kurs am 26. Juni ab, weitere 14 folgten am 17. Juli. Damit verfügt nun jedes afrikanische Bischofsgebiet der EmK über mindestens zwei entsprechend geschulte Mitarbeitende.
Die leise Stimme als Auftrag
Bei der ersten Abschlussfeier erinnerte Rektor Peter Mageto an die biblische Geschichte von Elia. Gott begegnete dem Propheten nicht im Sturm, im Erdbeben oder im Feuer, sondern in einer leisen Stimme (1. Könige, Kapitel 19, Verse 11 und 12).
Daran knüpfte Mageto den Auftrag kirchlicher Öffentlichkeitsarbeit: »Mitten im Chaos und in den Stürmen erwarten wir von euch, dass ihr die Wahrheit ans Licht bringt. Ihr seid diese sanfte, leise Stimme.« Das Zitat wurde aus dem Englischen übersetzt.
Kommunikation unter schwierigen Bedingungen
Was dieser Auftrag im Alltag bedeutet, zeigt Judith Osongo Yanga. Seit zehn Jahren ist sie im Bischofsgebiet Ostkongo für Nachrichten und Medien zuständig. Teile der von Kämpfen und einem Ebola-Ausbruch betroffenen Region werden von bewaffneten Gruppen beherrscht, andere von der Regierung. Dennoch müssen Menschen auf beiden Seiten zuverlässig informiert werden.
Francisco Tivane verantwortet die Öffentlichkeitsarbeit der Jährlichen Konferenz Nordmosambik. Wegen der sprachlichen und kulturellen Vielfalt will er wichtige Nachrichten übersetzen und über verschiedene Wege verbreiten. Zudem möchte er enger mit örtlichen Verantwortungsträgern zusammenarbeiten, um Vertrauen aufzubauen. Im Kurs vertiefte er seine Kenntnisse in Fotografie, Film und der Gestaltung anschaulicher Karten.
Mehr als ein Abschluss
Neben dem erworbenen Wissen entstand ein Netzwerk über Ländergrenzen hinweg. Die Teilnehmenden können künftig Erfahrungen austauschen, einander unterstützen und Informationen gemeinsam weitergeben. Das Angebot soll fortgesetzt werden.
Verbindungen nach Reutlingen
Die Africa University ist Partnerhochschule der Theologischen Hochschule Reutlingen. Hinzu kommt die persönliche Verbindung über Prof. Dr. Holger Eschmann. Der Theologe lehrte in Reutlingen von 1993 bis zu seiner Emeritierung 2023 Praktische Theologie und wurde 2024 als Nachfolger von Pastor Uwe Onnen in den Verwaltungsrat der Africa University gewählt.
Neue Studiengänge, der Ausbau der Solarenergie sowie die Malaria- und Tuberkuloseforschung zeigen die Entwicklung der Hochschule. Der Wegfall internationaler Fördergelder stellt jedoch besonders die Forschungsarbeit vor große Herausforderungen. Die EmK-Weltmission unterstützt die Africa University im Jahr 2026 mit 8.000 Euro.
Weiterführende Links
Originalbericht auf UM News
Bericht der Africa University
Geschichte der Africa University
Bericht von Prof. Dr. Holger Eschmann auf der Homepage der EmK-Weltmission
Der Autor
Michael Löffler ist Theologischer Leiter der EmK-Kirchenkanzlei mit Sitz in Frankfurt am Main und Pressesprecher für die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de
Zur Information
Africa University
Die Africa University bei Mutare in Simbabwe ist eine private, staatlich anerkannte Hochschule, die mit der United Methodist Church (UMC; deutsch: Evangelisch-methodistische Kirche) eng verbunden ist. Im Jahr 1992 nahmen dort die ersten 40 Studierenden ihr Studium in Landwirtschaft und Theologie auf; 1994 wurde die Universität offiziell eröffnet. Heute studieren dort mehr als 2.400 Menschen aus zahlreichen afrikanischen Ländern in über 65 Studiengängen. Seit 2002 besteht zwischen der Africa University und der Theologischen Hochschule Reutlingen ein Kooperationsvertrag über den Austausch von Studierenden und Lehrenden.